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Werthaltiges Bauen im historischen Kontext

Im Interview: Martin Klein, Steidle Architekten

Martin Klein, Steidle Architekten
Martin Klein, Steidle Architekten

Strenge Gestaltungsvorgaben der Stadt und die Entscheidung des Bauherrn für Ziegel als Baumaterial bei den Wohnhäusern waren der Rahmen, in dem sich Martin Klein und seine Kollegen bei der Planung von drei Gebäuden am Schinkelplatz in Berlin bewegen konnten. Sie entwickelten daraus ein logisch schlüssiges Architektur-Konzept, lösten statische Fragestellungen und fügten Konstruktion und Putzsystem zu einer stimmigen Einheit zusammen.

Herr Klein, wie sind die Entwürfe für die beiden Wohn- und das Geschäftsgebäude am Schinkelplatz in Berlin entstanden?

Nun, die Lage der Gebäude befindet sich in einem historischen, hoch interessanten Umfeld von Friedrichswerderscher Kirche, dem Berliner Schloss und der Bauakademie, die wieder aufgebaut werden soll. Für die Bebauung des Grundstücks gab es strenge gestalterische Vorgaben von der Berliner Bauaufsicht. In dem vom Architekturbüro Brenner erarbeiteten Gestaltungsleitplan waren die Regeln definiert wie etwa der Putzbau, die flächenmäßige Limitierung des Fensteranteils und eine gewisse Grundsymmetrie der Gebäude. Innerhalb dieses Rahmens und in Anlehnung an den historischen Kontext haben wir dann diesen sehr disziplinierten Fassadenentwurf entwickelt mit den tektonisch durchlaufenden Pfeilern.

Die Gestaltung der Fassade hat ja aber auch mit dem Baumaterial zu tun, das vom Bauherr vorgeben wurde.

Ja, unser Auftraggeber Xaver Moll wollte an diesem Standort eine hohe Qualität und angemessene Ausstrahlung realisiert wissen. Ein Rohbau in Beton war für ihn in diesem historischen Umfeld keine Option. Folglich legte er fest, dass hier Ziegelgebäude entstehen sollten. Und es ging ihm auch um das Wohngefühl, das ein Ziegel als Naturmaterial vermittelt. Bei fünf Geschossen in monolithischer Bauweise ergeben sich aber auch gewisse Grenzen in der Gestaltungsfreiheit. Aus statischen Gründen muss der Wandanteil größer sein als bei einem Bau aus Stahlbeton. Aber in diesem Fall war das kein Problem, weil wir ja auch an die strengen Gestaltungsvorgaben der Stadt gebunden waren. Im Gegenteil: Aus dem monolithischen Ziegelbau und dem historischen Kontext ergab sich letztendlich eine logische Kette, die wir mit unserer Lösung sehr gut in Einklang bringen konnten.

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Wohn- und Bürogebäude Schinkelplatz / Poroton S10-36,5-MW

Was waren die Herausforderungen dabei?

Die besondere Idee dieser Häuser sind die zurückgestaffelten Putzleibungen an den Fenstern. In diesen Bereichen musste die Dicke der Ziegelwand reduziert werden, damit die Staffelung möglich ist. Das wiederum schwächt die Wand. Deshalb musste die Statik des Rohbaus nochmal überarbeitet werden auch unter Berücksichtigung der schallschutztechnischen Anforderungen. Die Profilierungen sind dreimal jeweils 2,5 Zentimeter nach innen gestaffelt. Das zu realisieren, war nur durch die Reduzierung der Putzstärke möglich.

Bei der Statik war die Unterstützung der Experten von Wienerberger gefragt. Und bei der Profilierung die intensive Beratung des Putzsystemherstellers, der Firma Keim. Zudem war es nicht ganz einfach, einen Verarbeiter zu finden, der solche Profilierungen sauber ausführen kann. Letztendlich ist es uns dank der Kompetenz aller Beteiligten gelungen, die Grundkonstruktion des Rohbaus und das Putzsystem zu einer stimmigen Einheit zusammen zu führen. Insgesamt war ein beachtlicher und komplexer Planungsaufwand erforderlich vor allem auch bei der Einbindung der Geschossdecken, um einen homogenen Putzuntergrund zu erzeugen.

Wie bewerten Sie rückblickend Ihre Erfahrungen aus dem Projekt?

Die Gebäude am Schinkelplatz waren in der Tat das erste Projekt, das Steidle Architekten in monolithischer Ziegelbauweise geplant und realisiert haben. Denn in den letzten Jahrzehnten haben sich bei uns Objekte aus Stahlbeton sehr stark etabliert. Mit Xaver Moll hatten wir einen Bauherrn, der selbst Architekt ist und der nachhaltig und in langfristigen Zeiträumen denkt. Deshalb war der dauerhafte Klinkerbau mit dem werthaltigen Putz hier die ideale Lösung. Herr Moll hat die Wohnungen auch nicht verkauft, sondern behält sie in seinem eigenen Bestand. Das ist ein Umdenken, das wir bei immer mehr Bauherren, Bauträgern und Wohnbaugesellschaften beobachten. Und das hat natürlich Auswirkungen auf die Wertigkeit der Baumaterialien und die Ausführung.

Wir danken Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch, Herr Klein!

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