Schulzentrum Ludwigsburg|Neueindeckung und PV aus einer Hand

Autor: Chriss Topalis (PV-Fachberater bei wienerberger Deutschland)
 
Das Schulgebäude der Gemeinschaftsschule in der Ludwigsburger Innenstadt ist ein vielschichtiges Ensemble aus mehreren Bauphasen. Es vereint einen zweigeschossigen Altbau von 1934 mit Satteldach sowie einen dreigeschossigen Erweiterungsbau aus dem Jahr 1964 mit Flachdach. Durch die L‑förmige Anordnung der Baukörper entstehen zwei unterschiedlich gestaltete Pausenhöfe. Die Haupterschließung erfolgt über den südwestlichen Hof, an dem beide Gebäudeteile zusammenlaufen.
 
Neben dem mehrflügeligen Altbau mit seinen markanten Satteldächern prägt auch ein quaderförmiger Anbau das Gesamtbild. Auf dessen Flachdach sind bereits zahlreiche PV‑Module installiert. Naheliegend war daher die Frage, ob auch die Dachschrägen des Altbaus mit Photovoltaik ausgestattet werden könnten – ohne die charakteristische Optik des Nachkriegsbaus zu beeinträchtigen.
 
Die Lösung fand sich in einer roten Dacheindeckung in Kombination mit farblich darauf abgestimmten roten PV‑Modulen. Im Sommer 2025 wurde das Dach des Schulgebäudes in der Alleenstraße dann umfassend saniert und gleichzeitig mit einer dachintegrierten Photovoltaikanlage ausgestattet. Innerhalb von rund zweieinhalb Monaten realisierte das vierköpfige Team von Rikker Holzbau die komplette Neueindeckung des Satteldachs – inklusive der Installation von 129 Modulen mit einer Gesamtleistung von 49,02 kWp.

Bestandsgebäude mit Geschichte

 

Auch wenn das Gebäude nicht denkmalgeschützt ist, prägt es das Stadtbild und wurde bereits in den vergangenen Jahren schrittweise saniert und energetisch ertüchtigt. Nach Fassaden-, Fenster- und Flachdacharbeiten stand nun die Sanierung der geneigten Dachflächen an – verbunden mit dem Wunsch der Stadt, die Dachflächen künftig zur regenerativen Stromerzeugung zu nutzen. Der Kontakt kam unkompliziert zustande: Bei einem früheren Projekt an einem denkmalgeschützten Objekt hatte die Stadt bereits mit wienerberger zusammengearbeitet. Über die Website wurde man darauf aufmerksam, dass auch Photovoltaik-Systeme angeboten werden – und nahm erneut Kontakt zum PV- Fachberater von wienerberger auf, welcher die Planung in enger Abstimmung mit der Stadt Ludwigsburg übernahm.

 

Rückbau und Neuaufbau im Bestand

 

Im Zuge der Dachsanierung wurden die alten Ziegel vollständig abgenommen. In Teilbereichen entfernte das Team zudem die vorhandene Dämmung. Eine zusätzliche Dämmung war nicht vorgesehen, da die Dachräume auch künftig nicht als Klassen- oder Aufenthaltsräume genutzt werden.

Nach dem Rückbau richteten die Zimmerer die Sparren aus, bevor eine neue Unterspannbahn verlegt wurde. Aufgrund eines bekannten Marderproblems entschied man sich für eine besonders robuste Lösung: Zum Einsatz kam Quattro Longlife Extra, eine widerstandsfähige Unterspannbahn, die das erneute Einnisten von Tieren deutlich erschwert. Anschließend erfolgte die Neueindeckung mit großformatigen Tondachziegeln des Modells Alegra 8 in Rot engobiert. Die Wahl fiel bewusst auf ein markantes, wirtschaftliches Format – auch im Hinblick auf die Integration der dachintegrierten -PV-Anlage.

 

129 integrierte Module
 

Die Photovoltaikanlage besteht aus 129 roten Modulen mit jeweils 380 Watt Leistung. Daraus ergibt sich eine Gesamtleistung von 49,02 kWp. Die Module wurden dachintegriert ausgeführt und übernehmen damit selbst die wasserführende Ebene. Gerade hier zeigte sich die Komplexität des Systems: Die Blechelemente, die die Module seitlich und untereinander einfassen, sind einzelne Passstücke, was genaue Zuschnitt- und Anpassungsarbeiten erfordert, da jedes Element exakt auf das jeweilige System und die Dachgeometrie abgestimmt sein muss. Unterstützung bei der Installation erhielt das Team durch einen Lehrverleger des wienerberger Photovoltaik-Spezialisten Wevolt, der vor Ort die Besonderheiten des Systems erläuterte – insbesondere im Umgang mit den Blechen und deren Funktion als einfassende Umrandung.  Auch im weiteren Bauverlauf konnten Detailfragen unkompliziert geklärt werden: Per Messenger wurden Fotos ausgetauscht und Lösungen abgestimmt.

 

Anspruchsvolle Details und Dachneigung
 

Besonders anspruchsvoll war die Verlegung in Bereichen, in denen nur noch zweireihig gearbeitet werden konnte. Aufgrund der starken Dachneigung wurde das sichere Stehen zur Herausforderung. Hinzu kam, dass viele Ziegel im Anschluss an die Module und die Einfassung eingekürzt werden mussten, um saubere Übergänge herzustellen. Die großformatigen Ziegel zeigten im Einsatz sowohl ihre Stärken als auch ihre Besonderheiten: Durch die größere Deckfläche lässt sich pro Quadratmeter zügig arbeiten. Gleichzeitig erfordern die Fünferpacks beim Verteilen auf der Fläche etwas mehr körperlichen Einsatz. In einzelnen Bereichen hätten kleinere Formate zusätzliche Flexibilität geboten – insbesondere, um die Lattweite variabler einzuteilen. Auf einer Dachfläche mit 23 Modulen war zudem ein durchgehender Längsschnitt erforderlich, um die Modulreihe passgenau einzubinden. Hier zeigte sich, wie wichtig eine präzise Planung und Abstimmung zwischen Dach- und PV-Gewerk ist.

 

Blitzschutz und Durchdringungen
 

Ein weiteres Thema war der Blitzschutz. Aufgrund der großen, zusammenhängenden Modulfläche musste eine zusätzliche Ableitung eingeplant werden. Die Integration erfolgte in enger Abstimmung mit den Fachplanern.

Für die Kabeldurchführungen wurden insgesamt drei Durchdringungen hergestellt. Diese wurden mit Gummieinsätzen dauerhaft abgedichtet. Die eigentliche Öffnung in der Unterspannbahn erfolgte kontrolliert per Cuttermesser, um eine saubere, spannungsfreie Durchführung zu gewährleisten.

Einen klassischen „Kniestock“ für Technikanlagen gibt es auf dem geneigten Dach naturgemäß nicht – sämtliche Komponenten mussten daher in das Dachsystem integriert beziehungsweise in den Innenraum geführt werden.

 

Schnittstelle zum Elektrogewerk
 

Der AC-Anschluss wurde von Wevolt in Kooperation mit einem langjährigen Partner, der Firma Elektrotechnik Matrangolo aus Markgröningen, ausgeführt. Die Schnittstelle zwischen Dachdecker- und Elektroarbeiten gestaltete sich unkompliziert. Im Vorfeld war klar definiert, an welchen Punkten die Kabel in den Dachraum einzuführen sind. Die Ausführung wurde geprüft und gemeinsam abgenommen.

Gauben demontiert und saniert
 

„Im Zuge der Arbeiten wurden die vorhandenen Gauben im Ganzen abgenommen  und anschließend wieder eingesetzt. Dabei erhielt auch die Gaubenverwahrung eine neue Ausführung. Auch die äußeren Verwahrungen wurden erneuert, ebenso die Fenster“, berichtet Bauleiter Patrick Esslinger von Rikker Holzbau. Die bestehenden Schneefanggitter blieben erhalten und wurden durch zusätzliche Schneefanghaken ergänzt, um den heutigen Anforderungen an die Verkehrssicherung gerecht zu werden.

 

Fazit: Steile Lernkurve
 

Im direkten Vergleich zur Aufdachmontage ist ein dachintegriertes System in der Ausführung deutlich anspruchsvoller. Zuschnitt, Blechführung und die Integration in die Dachdeckung erfordern Erfahrung und eine saubere Detailplanung. „Wir haben sehr positive Erfahrungen mit der Montage gemacht. Wir würden sofort wieder so eine Anlage montieren“, erläutert Patrick Esslinger.

So zeigt das Projekt in Ludwigsburg, wie sich eine klassische Dachsanierung und die Integration regenerativer Energiegewinnung sinnvoll verbinden lassen. Das Ergebnis ist ein optisch ruhiges, homogenes Dachbild in Rot – mit einer leistungsfähigen PV-Anlage, die künftig einen relevanten Beitrag zur Stromversorgung der Schule leisten wird.

 

„Wir haben lange gesucht, um ein Produkt zu finden, das allen Ansprüchen gerecht wird. Ein einheitlicher Putzgrund mit minimierter Rissgefahr war uns wichtig. Der Hersteller der Ziegel hat viele standardisierte Systemkomponenten für Verkleidungen von Stürzen, Decken und Stützen im Programm, so dass wir ohne kostenintensive Sonderanfertigungen arbeiten konnten“ , so Projektarchitekt Vojtech Bast, harris + kurrle architekten bda, Stuttgart

Geschäftsführer BE Baumschlager Eberle Berlin, Jaeger, Portraitfoto, Objekt Unionhilfswerk Berlin
© Stefanie Aumiller

„Wir haben lange gesucht, um ein Produkt zu finden, das allen Ansprüchen gerecht wird. Ein einheitlicher Putzgrund mit minimierter Rissgefahr war uns wichtig. Der Hersteller der Ziegel hat viele standardisierte Systemkomponenten für Verkleidungen von Stürzen, Decken und Stützen im Programm, so dass wir ohne kostenintensive Sonderanfertigungen arbeiten konnten“ , so Projektarchitekt Vojtech Bast, harris + kurrle architekten bda, Stuttgart

Zahlen und Fakten

  • Objekt: Gemeinschaftsschule in Ludwigsburg
  • Umfang: zweigeschossiger Altbau, Installation von 129 PV-Modulen mit einer Gesamtleistung von 49,02 kWp
  • Standort: Alleenstraße 21, 71638 Ludwigsburg
  • Architektur: keine Architektenbeteiligung
  • Bauherr / Generalplanung: Stadt Ludwigsburg
  • Verarbeiter: Rikker Holzbau GmbH, 71563 Affalterbach
  • Dacheindeckung: großformatigen Tondachziegeln des Modells Alegra 8 in Rot engobiert, Photovoltaiksystem Wevolt X-Frame mit roten Modulen
  • Zubehör: Unterdachbahn Quattro Longlife Extra

Produktkataloge

Lernen Sie unsere Baustoffe und Lösungen kennen! Starten Sie Ihre Suche hier.

Alle Produkte
Alle Dowloads
Preislisten, Broschüren, Datenblätter und vieles mehr

Newsletter abonnieren

Die wichtigsten News in Ihr E-Mail-Postfach.

Social Media

Wir sind auf Instagram, LinkedIn, Facebook und Youtube aktiv. Lassen Sie sich inspirieren, werden Sie Fan und teilen Sie Ihre Meinung mit.

Finden Sie Baustoffhändler in Ihrer Nähe.