Objektbericht Wohnen am Ooswinkel Baden-Baden | Gewerbefläche wird zum lebenswerten Stadtraum

Freivogel Mayer Architekten, Wohnen an der Oos, Stadtreparatur, Flächenrecyckling, Beispielhaftes Bauen AKBW, Hugo Häring 2023
© Atelier Dirk Altenkirch
 

In der Weststadt von Baden-Baden entstand mit „Wohnen am Ooswinkel“ ein beispielhaftes Wohnquartier der Baugenossenschaft Baden-Baden. Freivogel Mayer Architekten verwandelten eine mit Altlasten kontaminierte Gewerbefläche in einen lebenswerten Stadtraum. Das Projekt verbindet Flächenrecycling, Hochwasserschutz und eine monolithische Bauweise mit Poroton-Ziegeln. Für die architektonische und städtebauliche Qualität wurde das Quartier 2023 mit dem Hugo-Häring-Preis ausgezeichnet.

Hannover, April 2024 – In direkter Nachbarschaft zur denkmalgeschützten Gartenstadt „Ooswinkelsiedlung“ von Paul Schmitthenner (1884 - 1972) in Baden-Baden, zwischen der stark befahrenen Bundesstraße und dem attraktiven Naturraum entlang der Oos gelegen, schafft das neue Quartier „Wohnen am Ooswinkel“ eine harmonische Verbindung zwischen urbaner Dynamik und ruhiger Idylle. Neben der Schaffung von Wohnraum umfasste die Quartiersentwicklung Maßnahmen zur Bodensanierung, Flächenentsiegelung und Hochwasservorsorge.

Neue Perspektiven
Freivogel Mayer Architekten führten die vorhandenen Baufluchten der Schmitthenner-Siedlung auf dem ehemaligen Bauhof-Areal fort und gestalteten mit zwei langgestreckten Wohnriegeln einen städtebaulichen Schallschutz zur Bundesstraße hin. Gleichzeitig schufen sie so die Basis für ruhiges, südorientiertes Wohnen im Grünen. Ein fünfgeschossiger Kopfbau markiert den Quartiersabschluss Richtung Innenstadt. 

Das neue Quartier umfasst 42 Wohnungen in 3- bis 5-geschossigen Gebäuden, verteilt auf eine Gesamtwohnfläche von 3.400 m². Mit dem Wohnungsmix entsteht ein differenziertes Gesamtensemble, das eine breite Palette von Wohnbedürfnissen abdeckt und so für eine vielfältige Bewohnerschaft sorgt.

Vielfalt unter einem Dach
Im Vergleich zu anderen Geschosswohnungsbauprojekten entstand hier eine ungewöhnliche Vielfalt an Typologien, die einen langfristigen Beitrag zur demografischen und sozialen Stabilisierung des Gesamtquartiers leisten soll. Das bestehende Wohnraumangebot der Schmitthenner-Siedlung ist mit dem neuen Quartiersnachbarn um barrierefreie Kleinwohnungen, altersgerechte Wohnungen, Familienwohnungen sowie großzügige Maisonetten mit Dachterrassen als Neuinterpretation der bestehenden Siedlungshäuser mit ihren Gartenlauben erweitert worden.

Zentrale Einrichtungen wie die Geschäftsstelle der Baugenossenschaft und ein Mehrzweckraum fördern das Gemeinschaftsgefühl und unterstützen die Idee des genossenschaftlichen Zusammenlebens. Zusammen mit dem Quartiersplatz dienen diese Flächen als Treffpunkte und ermöglichen kulturelle und bildende Veranstaltungen, die den sozialen Zusammenhalt stärken.

Monolithische Bauweise mit Ziegel
Für die Neubebauung wurden monolithische Ziegel-Außenmauern mit einem hydrophilen, gekratzten, mineralischen Dickschichtputz, großformatige, eloxierte Holz-Aluminium-Fenster mit textilem Sonnenschutz, Massivholztüren, Werksteinfensterbänke und sichtbar verbleibende Betonoberflächen eingesetzt.

Für die Außenwände kam der mineralisch gedämmte Hochlochziegel Poroton-S9-MW in einer Wandstärke von 36,5 cm zum Einsatz. Der speziell für den mehrgeschossigen Wohnungsbau entwickelte Ziegel vereint Tragfähigkeit, Schallschutz und Wärmeschutz in einem monolithischen Wandaufbau. Durch die integrierte Mineralwolledämmung kann auf zusätzliche Außendämmungen verzichtet werden. An Bereichen mit Stahlbetonstützen kam die Ziegel-Wärmedämmfassade Poroton-WDF zum Einsatz. Sie sorgt für einen homogenen Untergrund für den Fassadenputz und ermöglicht eine durchgängige Ziegelaußenhülle.

Revitalisierung eines Areals
Ein zentrales Ziel des Projekts war die Umnutzung einer zuvor gewerblich genutzten und teilweise kontaminierten Fläche. Im Zuge der Entwicklung wurden Altlasten beseitigt, Flächen entsiegelt und Maßnahmen zum Regenwassermanagement umgesetzt. Darüber hinaus entstand entlang der Oos ein neuer Uferrandweg, der die innerstädtischen Wegebeziehungen ergänzt und gleichzeitig dem Hochwasserschutz dient. Begrünte Freiflächen, Gartenanlagen und Dachterrassen tragen zur Aufenthaltsqualität und Aufwertung des Quartiers bei.

Mehrfach ausgezeichnet
Für die architektonische und städtebauliche Umsetzung wurde das Projekt „Wohnen am Ooswinkel“ 2023 mit dem Hugo-Häring-Preis ausgezeichnet. Bereits zuvor erhielt das Projekt die Nominierung zum Flächenrecyclingpreis 2022 Baden-Württemberg sowie die Auszeichnung für „Beispielhaftes Bauen“ der Architektenkammer Baden-Württemberg in 2021.

Zitat Steffen Mayer, Freivogel Mayer Architekten:
„Die frühzeitige Zusammenarbeit mit kommunalen Stellen und das überaus konstruktive Engagement der Bauherrin waren ausschlaggebend für eine städtebauliche wie bautechnische Qualität und die erfolgreiche Umsetzung des Wohnungsbauprojekts.“

Bautafel

  • Objekt: Wohnen am Ooswinkel
  • Standort: Dr.-Groddeck-Platz 2, 76532 Baden-Baden
  • Architektur: Freivogel Mayer Architekten GmbH, Ludwigsburg
  • Bauherrschaft: Baugenossenschaft Baden-Baden

  • Umfang: 42 Wohneinheiten verschiedenster Größen,
    Gesamtwohnfläche 3.400 m²
  •  Bauweise:  monolithische Ziegelbauweise
  • Produkteinsatz: mineralisch gedämmter Hochlochziegel Poroton-S9-MW in 36,5 cm Wandstärke, Poroton-WDF-120-P
  • Fertigstellung: 2021

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