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Zwischen Welterbe und Energiewende

Photovoltaik als Teil der Dacharchitektur

Im historischen Zentrum Bambergs steht ein 1855 nach einem Entwurf von Wilhelm Ney errichtetes Wohn- und Geschäftshaus innerhalb des UNESCO-Welterbes „Altstadt von Bamberg“. Der dreieinhalbgeschossige Bau mit spätklassizistischer Fassade prägt mit seinen Dachflächen den historischen Stadtraum.
 
Für den Eigentümer Karl Martin Leicht, Inhaber des Geschäfts „Betten Friedrich“, stand 2025 eine umfassende Erneuerung des Daches an. Gleichzeitig sollte die Sanierung genutzt werden, um künftig Solarstrom direkt am Gebäude zu erzeugen. Die Herausforderung bestand darin, die Anforderungen der Denkmalpflege mit einer modernen Photovoltaikanlage zu verbinden. Mit einer auf das Dachbild abgestimmten Eindeckung und dem integrierten Solardachsystem Wevolt X-Tile entstand eine Lösung, die den historischen Gebäudebestand bewahrt und eine zeitgemäße Energieversorgung ermöglicht.

Projektdaten und Projektbeteiligte

Objekt: Historisches Eckhaus
Ort: Bamberg, Bayern
Gebäudetyp: Dreieinhalbgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus
Baujahr: 1855
Historischer Kontext: Entwurf von Wilhelm Ney, Einzeldenkmal innerhalb des UNESCO-Welterbes „Altstadt von Bamberg“
Ausgangssituation: Erneuerungsbedürftige Dacheindeckung und erforderliche Instandsetzung der Dachkonstruktion bei gleichzeitiger Integration einer denkmalverträglichen Photovoltaikanlage
Bauherr: Karl Martin Leicht
Ausführung: Dach & Holzbau Steck
Fertigstellung: 2025
Nutzung heute: Wohnen und Gewerbe

 
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© Wienerberger GmbH

Ausgangslage und Herausforderung

Die historische Altstadt von Bamberg stellt besondere Anforderungen an bauliche Veränderungen. Als UNESCO-Welterbe besitzt sie ein über Jahrhunderte gewachsenes Stadtbild, in dem Dächer, Fassaden und Straßenräume das Erscheinungsbild des Ensembles gemeinsam prägen. Veränderungen an den Dachflächen müssen deshalb nicht nur technisch funktionieren, sondern sich auch mit dem historischen Bestand auseinandersetzen.

Beim historischen Eckhaus an der Oberen Königstraße und Luitpoldstraße war eine grundlegende Dachsanierung notwendig geworden. Nach Angaben des ausführenden Dachdeckermeisters Matthias Steck waren seit den 1960er-Jahren keine umfassenden Arbeiten mehr an dem Dach vorgenommen worden.

Die Maßnahme beschränkte sich jedoch nicht auf den Austausch der Dacheindeckung. Auch die historische Dachkonstruktion musste überprüft und statisch ertüchtigt werden. Gleichzeitig bestand der Wunsch, die erneuerte Dachfläche für die Gewinnung von Solarenergie zu nutzen.

Damit trafen mehrere Anforderungen unmittelbar aufeinander: der Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes, die Instandsetzung seiner Dachkonstruktion, die Einbindung moderner Energietechnik und die gestalterische Rücksichtnahme auf die historische Dachlandschaft.

Eine zusätzliche Herausforderung ergab sich aus der innerstädtischen Lage. Das Gebäude befindet sich an einer stark befahrenen Kreuzung mit begrenzten Flächen für die Baustelleneinrichtung. Transport, Materiallagerung und Kraneinsatz mussten entsprechend organisiert werden.

Lösungsweg und Umsetzung

Denkmalpflege und neue Anforderungen an die Dachlandschaft

Die Integration von Photovoltaik auf einem Einzeldenkmal innerhalb des Bamberger Welterbes erforderte eine sorgfältige Abstimmung mit den zuständigen Stellen.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Solarmodule in die historische Dachfläche integrieren lassen, ohne einen starken gestalterischen Gegensatz zwischen vorhandener Bausubstanz und neuer Technik entstehen zu lassen.

Dafür waren insbesondere die Farbigkeit, die Oberflächenstruktur und die Anordnung der Elemente entscheidend. Das neue Dach sollte als zusammenhängende Fläche wahrgenommen werden. Die Photovoltaikanlage durfte deshalb nicht als technisch aufgesetztes, von der Eindeckung deutlich abgesetztes Element erscheinen.

In den projektbezogenen Erläuterungen des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege wird die Orientierung am historischen Dachbild hervorgehoben. Für das Gebäude in Bamberg spielte dabei auch die Anmutung der früheren Schiefereindeckung eine Rolle. Eine farblich abgestimmte Integration der Solarmodule sollte die Wirkung des Einzeldenkmals und des umgebenden historischen Ensembles möglichst wenig beeinträchtigen. 

Die Bedeutung einer zurückhaltenden Dachgestaltung beschreibt auch Katharina Schmid, Pressesprecherin des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege: „In repräsentativen und stark einsehbaren Stadträumen ist es so möglich, durch eine farblich angepasste dachintegrierte Lösung Klimaschutz und Denkmalschutz in Einklang zu bringen.“

Die Abstimmung mit der Denkmalpflege war ein wichtiger Bestandteil der Umsetzung. Dachdeckermeister Matthias Steck, von Dach & Holzbau Steck beschreibt die Zusammenarbeit folgendermaßen: „Wenn man mit den Fachleuten spricht und die historische Substanz respektiert, findet man immer einen gemeinsamen Weg.“

Materialwahl und Integration der Photovoltaik

Für die Neueindeckung fiel die Wahl auf den keramischen Dachziegel Koramic Actua 10 in Mattschwarz von wienerberger. Seine dunkle Oberfläche ermöglichte eine zurückhaltende Dachgestaltung, die auf die Farbwirkung des historischen Bestands Bezug nimmt.

In Kombination mit dem dachintegrierten Photovoltaiksystem Wevolt X-Tile entstand eine Lösung, bei der Solarmodule und keramische Dacheindeckung gemeinsam geplant wurden.

Anders als bei einer herkömmlichen Aufdachanlage werden die Solarelemente nicht als zusätzliche Konstruktion oberhalb einer vollständig eingedeckten Dachfläche montiert. Sie werden in die Dachhaut integriert und übernehmen dort eine eigene Funktion innerhalb des Dachsystems.

Die Anordnung der Solarelemente auf den südlichen und westlichen Dachflächen wurde gemeinsam mit den Fachleuten von wienerberger vorbereitet. Anhand von Flächengrafiken ließ sich die Belegung im Vorfeld auf die vorhandenen Dachgeometrien abstimmen. 

Die installierte Photovoltaikanlage verfügt über eine Leistung von 34 kWp. Ergänzt wird sie durch einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von 20 kWh.

Entscheidend für das Projekt war die Verbindung zweier Anforderungen: Die Dachflächen sollten zur Stromerzeugung genutzt werden, zugleich aber in ihrer gestalterischen Wirkung auf das denkmalgeschützte Gebäude und den historischen Stadtraum abgestimmt bleiben.

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© Wienerberger GmbH
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© Wienerberger GmbH

Instandsetzung der historischen Dachkonstruktion

Vor der Neueindeckung waren umfangreiche Arbeiten an der vorhandenen Dachkonstruktion erforderlich.

Die historische Holzkonstruktion wurde statisch überprüft und an mehreren Stellen ertüchtigt. Einzelne Sparren mussten verstärkt, andere vollständig ausgetauscht werden. Dadurch entstanden die konstruktiven Voraussetzungen für die neue Dacheindeckung und die Integration des Photovoltaiksystems.

Auch die Dachentwässerung wurde überarbeitet. Die bisher außenliegende Dachrinne wurde durch eine innenliegende Konstruktion ersetzt. Die Maßnahme sollte das Risiko künftiger Feuchtigkeitsschäden reduzieren und die Entwässerung an die baulichen Gegebenheiten anpassen.

Ergänzend erfolgten die Verlegung einer neuen Unterspannbahn sowie Spenglerarbeiten und die sorgfältige Ausbildung der Dachkehlen. 

Auf eine zusätzliche Wärmedämmung wurde verzichtet, da der Dachraum weiterhin unbeheizt bleibt. Die energetische Verbesserung des Gebäudes bestand bei dieser Maßnahme somit nicht in einer thermischen Sanierung, sondern in der Integration einer eigenen Stromerzeugung.

Umsetzung unter besonderen innerstädtischen Bedingungen

Die Arbeiten am Dach begannen Anfang März 2025. Für Dachdeckermeister Matthias Steck und sein Team war es die erste Ausführung einer dachintegrierten Photovoltaikanlage.

Neben der fachgerechten Neueindeckung mussten deshalb die Solarelemente nach dem zuvor entwickelten Belegungsplan eingebaut werden. Ihre Positionierung auf den Süd- und Westflächen hatte sowohl die verfügbare Dachgeometrie als auch die gewünschte gestalterische Wirkung zu berücksichtigen.

Die Kabel wurden durch die Dachkonstruktion in das Gebäude geführt und für die weiteren Elektroarbeiten an den zuständigen Fachbetrieb übergeben. Die Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage erfolgte in Zusammenarbeit mit Wevolt.

Eine besondere organisatorische Aufgabe war die Baustellenlogistik. Wegen der beengten Verhältnisse an der innerstädtischen Kreuzung musste die Königstraße während der Bauarbeiten zeitweise halbseitig gesperrt werden. 

Auch bei der Auswahl des Krans waren Anpassungen notwendig. Das zunächst vorgesehene Gerät konnte aufgrund seiner Abmessungen nicht wie geplant eingesetzt werden. Für den Bauablauf musste deshalb eine alternative Kranlösung gefunden werden.

Die erforderlichen Verkehrsmaßnahmen und Transportwege verdeutlichen, dass beim Bauen im historischen Stadtzentrum neben der eigentlichen Konstruktion auch die örtlichen Rahmenbedingungen maßgeblich über den Ablauf entscheiden.

Die Dacharbeiten dauerten rund zwei Monate. Im Juni 2025 wurde die Photovoltaikanlage in Zusammenarbeit mit Wevolt in Betrieb genommen.

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© Wienerberger GmbH

Ergebnis und Erkenntnisse

Mit der Dachsanierung erhielt das historische Eckhaus eine erneuerte Dacheindeckung und eine instand gesetzte Dachkonstruktion. Gleichzeitig wurde eine Photovoltaikanlage integriert, die einen Teil der Stromversorgung des Gebäudes übernehmen kann.

Die mattschwarzen Dachziegel und die bündig integrierten Solarelemente fügen die Stromerzeugung in die historische Dachlandschaft ein. Für das Projekt erhielt Betten Friedrich den Klimaschutzpreis 2025 der Klima- und Energieagentur Bamberg.

Karl Martin Leicht, Bauherr und Inhaber von „Betten Friedrich“, zieht nach den ersten Betriebserfahrungen eine positive Bilanz: „Die Ausbeute ist sehr zufriedenstellend.“

Die Aussage unterstreicht den praktischen Nutzen der Anlage für den Gebäudeeigentümer. Nach seinen Angaben wurde deshalb auch eine mögliche Erweiterung in Betracht gezogen, insbesondere mit Blick auf den hohen Energiebedarf der im Betrieb eingesetzten Federreinigungsanlage. 

Das Projekt verdeutlicht, dass die Integration erneuerbarer Energien in historische Gebäude eine sorgfältige Auseinandersetzung mit der vorhandenen Bausubstanz erfordert. Die Entscheidung für ein geeignetes System ist dabei nur ein Teil der Aufgabe. Ebenso wichtig sind die Abstimmung mit der Denkmalpflege, die konstruktive Vorbereitung und die fachgerechte Ausführung.

Für vergleichbare Projekte lassen sich daraus mehrere Erkenntnisse ableiten. Eine frühzeitige Abstimmung der gestalterischen Anforderungen erleichtert die System- und Materialwahl. Die gemeinsame Planung von Dacheindeckung und Solarelementen ermöglicht eine auf das Gebäude abgestimmte Lösung. Zugleich müssen vorhandene Dachkonstruktionen und die besonderen Bedingungen des Bauortes berücksichtigt werden.

Das historische Eckhaus in Bamberg zeigt damit einen Weg, wie historische Bausubstanz erhalten und zugleich für neue Anforderungen der Energieversorgung weiterentwickelt werden kann.

Keramische Lösungen und Photovoltaik im Projekt

Für die Neueindeckung des historischen Daches kamen keramische Dachziegel des Typs Koramic Actua 10 in Mattschwarz von wienerberger zum Einsatz.

Die dunkle Dachoberfläche wurde mit dem dachintegrierten Photovoltaiksystem Wevolt X-Tile kombiniert. Die Solarelemente wurden auf den Süd- und Westflächen in die Dachhaut integriert. Die Anlage besitzt eine installierte Leistung von 34 kWp und wird durch einen Batteriespeicher mit 20 kWh Kapazität ergänzt.

Für die Materialentscheidung waren neben den technischen Anforderungen insbesondere die Farbigkeit und die gestalterische Abstimmung mit dem historischen Dachbild maßgeblich.

Die Verbindung aus keramischer Dacheindeckung und integrierter Photovoltaik bildet die Grundlage für eine Dachlösung, die sowohl den baulichen Bestand als auch die Anforderungen an eine zeitgemäße Stromerzeugung berücksichtigt. 

Verwendete Produkte

Koramik Dachziegel

Wevolt Photovoltaik

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