Creaton Kera Biber anthrazit matt durchgefärbt Schloss Branitz

Schloss Branitz, Fürst-Pückler-Museum

Die historische Dachlandschaft wiederherstellen

Im Zentrum des Branitzer Parks in Cottbus steht Schloss Branitz, das ehemalige Herrenhaus der Familie von Pückler. Das spätbarocke Schloss wurde ab 1846 von Fürst Hermann von Pückler-Muskau umfassend umgestaltet und bildet bis heute den architektonischen Mittelpunkt seiner weitläufigen Parklandschaft. Die dreizehnachsige, verputzte Dreiflügelanlage mit ihrem gewalmten Mansarddach ist von zahlreichen Standorten im Park sichtbar. Ihre Dachlandschaft prägt damit nicht nur das Erscheinungsbild des Schlosses, sondern auch die gestalterische Wirkung des gesamten Ensembles.
 
Als Museum bewahrt Schloss Branitz die historischen Wohnräume der Familie von Pückler und beherbergt unter anderem eine Gemäldesammlung des Landschaftsmalers Carl Blechen. Um dieses bedeutende Kulturdenkmal langfristig zu erhalten, wurde 2021 eine umfassende Dachsanierung durchgeführt. Dabei trafen unterschiedliche Anforderungen aufeinander: Die historische Dachkonstruktion sollte weitgehend erhalten bleiben, erhebliche Schadstoffbelastungen mussten reduziert und die Dacheindeckung nach historischem Vorbild erneuert werden. Zugleich waren die Arbeiten unter laufendem Museumsbetrieb und innerhalb der denkmalgeschützten Parkanlage auszuführen.

Projektdaten und Projektbeteiligte

Objekt: Schloss Branitz
Ort: Cottbus, Brandenburg
Gebäudetyp: Spätbarockes Schloss
Baujahr: 1770/71
Historischer Kontext: Ehemaliges Herrenhaus der Familie von Pückler, umfassende Umgestaltung ab 1846 durch Fürst Hermann von Pückler-Muskau
Ausgangssituation: Sanierungsbedürftige Dacheindeckung und schadstoffbelasteter historischer Dachstuhl 
Bauherr: Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz 
Planung: Architekturbüro Fiedler & Peter GbR 
Ausführung: Böhm Bedachung GmbH 
Fertigstellung: 2021  
Nutzung heute: Museum und Veranstaltungsort

 
Creaton Kera Biber anthrazit matt durchgefärbt Schloss Branitz
© Wienerberger GmbH
Creaton Kera Biber anthrazit matt durchgefärbt Schloss Branitz
© Wienerberger GmbH

Ausgangslage und Herausforderung

Trotz umfangreicher Restaurierungen in den Jahren 1978 bis 1981 sowie 1991 bis 1999 wies das Schlossdach erneut erhebliche Schäden auf. Undichtigkeiten, eindringendes Regenwasser und Flugschnee sowie sich lösende Dachziegel beeinträchtigten zunehmend die historische Bausubstanz. Hinzu kamen Schäden durch Windsog, der Teile der bestehenden Dachkonstruktion angehoben hatte. Die erneute Instandsetzung war deshalb notwendig, um die darunterliegenden, teilweise bereits aufwendig restaurierten Schlossräume vor weiteren Feuchtigkeitsschäden zu schützen.

Neben der technischen Erneuerung stellte sich eine grundlegende denkmalpflegerische Frage. Bei der Sanierung im Jahr 1995 war das Dach mit roten Biberschwanzziegeln neu eingedeckt worden. Erst bei der damaligen Abnahme wurde festgestellt, dass die historische Dachfarbe ursprünglich Schwarz gewesen war. Daraufhin ließ man die roten Dachziegel nachträglich schwarz streichen.

Später ausgewertete archivalische Quellen untermauerten, dass Fürst Pückler eine schwarze Dacheindeckung nach englischen und holländischen Vorbildern vorgesehen hatte. Ergänzende Hinweise lieferten zwei mit Pech bestrichene historische Dachziegel im Depot, die vermutlich vom Schloss stammen. Die Wiederherstellung der schwarzen Dachansicht wurde damit zu einem wesentlichen Ziel der erneuten Sanierung.

Eine zusätzliche Herausforderung ergab sich aus der Schadstoffbelastung der historischen Dachkonstruktion. Während der DDR-Zeit war der Dachstuhl mit einem Holzschutzmittel behandelt worden, das unter anderem DDT und Lindan enthielt. Schadstoffhaltige Rückstände und Stäube machten besondere Schutzmaßnahmen erforderlich. Die Dachsanierung konnte deshalb nicht wie eine gewöhnliche Neueindeckung durchgeführt werden.

Gleichzeitig sollte die historische Dachkonstruktion möglichst weitgehend erhalten bleiben. Die Aufgabe bestand darin, denkmalgerechte Substanzerhaltung, Schadstoffreduzierung, technische Erneuerung und die Wiederherstellung des historischen Erscheinungsbildes miteinander zu verbinden.

Die historische Dachansicht als Grundlage der Materialwahl

Die historische Bedeutung der Dachlandschaft bestimmte wesentlich die Planung. Das Schloss bildet den architektonischen Mittelpunkt des Branitzer Parks. Seine Dachflächen sind aus unterschiedlichen Perspektiven sichtbar und tragen entscheidend zur Gesamtwirkung der Anlage bei.

Im Rahmen der Entwurfsplanung wurden die vorgesehenen Maßnahmen deshalb mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und der zuständigen Denkmalfachbehörde abgestimmt. Oberstes Ziel war die sorgfältige Instandsetzung des barocken Dachtragwerks unter möglichst weitgehendem Erhalt der historischen Substanz.

Auch die neue Dacheindeckung musste sich am historischen Erscheinungsbild orientieren. Die Erfahrungen mit den zuvor verwendeten, nachträglich schwarz gestrichenen Biberschwanzziegeln hatten gezeigt, dass diese Lösung hinsichtlich Farbgebung und Dauerhaftigkeit nicht zufriedenstellend war.

Gesucht wurde deshalb ein keramischer Dachziegel, der die historisch belegte dunkle Dachansicht aufgreift und zugleich den mechanischen und witterungsbedingten Anforderungen entspricht. Nach der Bemusterung fiel die Wahl auf einen anthrazitfarbenen, matt durchgefärbten und gesinterten Biberschwanzziegel. 

Die vollständige Durchfärbung war dabei ein entscheidendes Auswahlkriterium. Anders als bei lediglich oberflächlich eingefärbten oder beschichteten Ziegeln sollte auch bei möglichen Beschädigungen kein andersfarbiger Scherben sichtbar werden. Damit ließ sich die gewünschte einheitliche Dachansicht mit einer materialgerechten Lösung verbinden.

Erhalt der Dachkonstruktion und Schadstoffsanierung

Die Sanierung erforderte einen besonders sorgfältigen Umgang mit dem historischen Dachtragwerk. Die vorhandene Holzkonstruktion sollte nicht grundsätzlich ersetzt, sondern nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten instand gesetzt werden.

Eine wesentliche Voraussetzung dafür war die Reduzierung der Schadstoffbelastung. Das in früheren Jahrzehnten aufgebrachte Holzschutzmittel hatte schadstoffhaltige Rückstände hinterlassen, die insbesondere in Verbindung mit Staub eine erhebliche Gefährdung bei den Arbeiten darstellen konnten.

Zur Dekontaminierung wurden belastete Stäube von den Holzkonstruktionen und Wandflächen abgesaugt. Zusätzlich richtete man abgeschottete Arbeitsbereiche mit Schleusen ein. Die ausführenden Dachdecker mussten vor dem Betreten der betroffenen Dachbereiche staubdichte Schutzanzüge und Atemschutzmasken der Schutzklasse FFP3 anlegen.

Auch der Rückbau der vorhandenen Dacheindeckung erforderte besondere Maßnahmen. Die alten Dachziegel konnten wegen der schadstoffbelasteten Stäube zwischen Ziegeln und Dachlatten nicht über übliche Schuttrutschen entfernt werden. Stattdessen mussten sie einzeln aufgenommen, in spezielle Transportbehälter gelegt, abtransportiert und anschließend fachgerecht entsorgt werden. 

Der damit verbundene zeitliche, personelle und logistische Aufwand war erheblich. Die Arbeiten zeigen, dass denkmalgerechte Dachsanierungen nicht allein durch die Auswahl geeigneter Materialien bestimmt werden. Ebenso entscheidend sind die vorhandene Bausubstanz, mögliche Schadstoffbelastungen und die daraus resultierenden Anforderungen an die Bauausführung.

Creaton Kera Biber anthrazit matt durchgefärbt Schloss Branitz
© Wienerberger GmbH

Neue Dacheindeckung und konstruktive Sicherung

Nach dem Rückbau der bestehenden Ziegeldeckung erhielt Schloss Branitz eine neue Dacheindeckung aus anthrazitfarbenen, matt durchgefärbten und gesinterten Biberschwanzziegeln des Typs Creaton Kera Biber. Die Ausführung erfolgte als Kronendeckung im Format 15,5 × 38 cm mit Segmentschnitt.

Die Materialwahl orientierte sich an der historisch überlieferten schwarzen Dachansicht. Gleichzeitig sollten die geringe Wasseraufnahme und die mechanischen Eigenschaften der Ziegel eine dauerhaft funktionsfähige Dacheindeckung ermöglichen.

Besondere Aufmerksamkeit erforderte die Sicherung gegen Windsog. Bei der vorherigen Dachdeckung hatten sich wiederholt einzelne Biberschwanzziegel gelöst. Die neue Konstruktion musste deshalb eine wirksame Befestigung der Dacheindeckung gewährleisten.

Für die unterschiedlichen Dachbereiche wurden angepasste Ausführungsarten beschrieben. Am oberen Dachsattel kam laut technischer Projektbeschreibung eine trockene Deckung ohne Unterspannbahn zum Einsatz. Der nicht ausgebaute Dachbereich sollte dadurch weiterhin für spätere Reparaturen zugänglich bleiben. Die steileren, innen ausgebauten Mansardenflächen wurden dagegen mit Mörtel ausgeführt, um insbesondere den Schutz gegen eindringendes Wasser und Flugschnee zu verbessern. 

Zusätzlich erfolgte eine umfangreiche mechanische Sicherung der Dachziegel mit korrosionsbeständigen Befestigungselementen. Eine Windsogberechnung ergab hierfür einen Bedarf von rund 19.500 Sturmklammern und 14.000 Edelstahlschrauben. Für die Sanierung wurden insgesamt 51.392 durchgefärbte Biberschwanzziegel geliefert.

Die Ausführung erforderte besondere handwerkliche Sorgfalt. Zur traditionellen Mörteldeckung gehörten Querschlag und Fuge. Deutsch eingebundene Kehlen, in Kalk-Zementmörtel unterlegte Grat- und Firstlinien sowie Anschlüsse an aufgehende Bauteile ergänzten die Dachdetails. Verklammerung und Verschraubung erfolgten nach Herstellervorgaben.

Creaton Kera Biber anthrazit matt durchgefärbt Schloss Branitz
© Wienerberger GmbH

Ergänzung eines historischen Schornsteins

Neben der Dacheindeckung wurde auch ein prägendes architektonisches Detail des Schlosses ergänzt. Einer der reich verzierten historischen Schornsteine war nur noch bis unterhalb der Dachhaut vorhanden.

Im Zuge der Sanierung ergänzte man den oberhalb der Dachfläche fehlenden Abschnitt, um die ursprüngliche Symmetrie der Dachlandschaft wiederherzustellen. Die Maßnahme verdeutlicht, dass die Instandsetzung nicht auf die technische Funktionsfähigkeit des Daches beschränkt blieb. Auch charakteristische architektonische Details wurden berücksichtigt.

Arbeiten im laufenden Museumsbetrieb

Eine besondere Herausforderung stellte die Durchführung der Dachsanierung während des laufenden Museumsbetriebs dar. Die historischen Innenräume waren teilweise bereits aufwendig restauriert und mussten während der Bauarbeiten zuverlässig gegen Witterungseinflüsse geschützt werden.

Deshalb wurden täglich nur festgelegte Dachbereiche geöffnet und am Ende des Arbeitstages wieder sorgfältig verschlossen. Dieses Vorgehen reduzierte das Risiko von Feuchtigkeitsschäden und ermöglichte zugleich, den Museumsbetrieb fortzuführen.

Auch die Lage des Schlosses innerhalb der historischen Parkanlage stellte hohe Anforderungen an die Baustellenlogistik. Das Gebäude ist von Wasserflächen, Gartenanlagen, Skulpturen, Terrassen und Besucherwegen umgeben. Für Gerüste, Materiallagerung, Transporte und Kranstandorte standen nur begrenzte Flächen zur Verfügung.

Auf der Nordseite wurde deshalb eine temporäre Baustelleneinrichtungsfläche geschaffen. Auf der Westseite entstand zwischen Schloss und See eine schmale Baustraße, an der auch der benötigte Kran aufgestellt werden konnte. Die feuchten Baugrundverhältnisse in unmittelbarer Wassernähe erschwerten diese Arbeiten zusätzlich. 

Die Baustelleneinrichtung musste somit sowohl den Anforderungen einer komplexen Dachsanierung als auch dem Schutz der denkmalgeschützten Parkanlage und der Sicherheit der Museumsbesucher gerecht werden.

Vom sanierungsbedürftigen Dach zur historischen Dachansicht

Mit der Dachsanierung wurde die Funktionsfähigkeit der Schlossdeckung wiederhergestellt. Die zuvor vorhandenen Undichtigkeiten und schadhaften Anschlüsse konnten beseitigt und die Dachflächen gegen Witterungseinflüsse gesichert werden.

Gleichzeitig erhielt Schloss Branitz seine historisch belegte dunkle Dachansicht zurück. Die anthrazitfarbenen Biberschwanzziegel greifen das überlieferte Erscheinungsbild auf, während die ergänzte Schornsteinarchitektur die gestalterische Wirkung des Mansarddaches vervollständigt.

Die ausgeführten Maßnahmen wurden bei einem Ortstermin am 14. Oktober 2021 durch den damaligen Landeskonservator Thomas Drachenberg begutachtet. Nach Angaben des Projektverantwortlichen Matthias Rindt wurden die Arbeiten positiv beurteilt und keine Beanstandungen geäußert.

Die Dacharbeiten konnten im Dezember 2021 abgeschlossen werden. Die Montage der Schornsteinbekrönung war aufgrund weiterer gestalterischer Abstimmungen und pandemiebedingter Verzögerungen für das Frühjahr 2022 vorgesehen. 

Die Maßnahmen zur Schadstoffreduzierung verbesserten die Situation im historischen Dachraum. Eine vollständige Schadstofffreiheit wurde jedoch nicht erreicht. Der Dachbereich blieb aufgrund der weiterhin vorhandenen Belastung und aus Brandschutzgründen für die Öffentlichkeit unzugänglich.

Creaton Kera Biber anthrazit matt durchgefärbt Schloss Branitz
© Wienerberger GmbH

Ergebnis und Erkenntnisse

Die Dachsanierung von Schloss Branitz zeigt, wie unterschiedliche Anforderungen bei der Erhaltung eines bedeutenden Baudenkmals zusammengeführt werden können.

Die historische Dachkonstruktion bildete den Ausgangspunkt der Planung. Archivalische Quellen und vorhandene Materialbefunde lieferten wichtige Hinweise für die Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes. Die Auswahl einer durchgefärbten keramischen Dacheindeckung ermöglichte es, den historischen Gestaltungsanspruch mit heutigen technischen Anforderungen zu verbinden.

Gleichzeitig erforderte die vorhandene Schadstoffbelastung besondere Schutzmaßnahmen und einen erheblichen logistischen Aufwand. Hinzu kamen die Anforderungen des laufenden Museumsbetriebs sowie die schwierigen räumlichen Bedingungen innerhalb der denkmalgeschützten Parkanlage.

Das Projekt verdeutlicht damit, dass eine denkmalgerechte Sanierung weit über den Austausch beschädigter Bauteile hinausgeht. Historische Recherche, materialgerechte Entscheidungen, konstruktive Sicherung und sorgfältige handwerkliche Umsetzung müssen aufeinander abgestimmt werden. 

Mit der erneuerten Dachlandschaft bleibt ein wesentliches architektonisches Element von Schloss Branitz erhalten. Die Sanierung schützt die historische Bausubstanz und trägt dazu bei, das Zusammenspiel von Schloss und Parklandschaft auch für kommende Generationen erlebbar zu halten.

Keramische Lösungen im Projekt

Für die Neueindeckung des Schlossdaches kamen keramische Dachziegel des Typs Creaton Kera Biber in Anthrazit, matt durchgefärbt und gesintert, zum Einsatz. Die Biberschwanzziegel wurden als Kronendeckung ausgeführt und orientieren sich an der historisch belegten schwarzen Dachansicht.

Die Durchfärbung der Ziegel war ein wesentliches Kriterium bei der Materialentscheidung. Sie sollte sicherstellen, dass auch bei möglichen Beschädigungen kein andersfarbiger Ziegelscherben sichtbar wird. Ergänzt wurde die Dacheindeckung durch eine auf die örtlichen Bedingungen abgestimmte mechanische Windsogsicherung.

„Wichtig war, dass im Laufe der Nutzung durch Witterung beschädigte Biberschwänze nicht rot durchschimmern, sondern konsequent anthrazit wirken und so eine homogene Dachgestaltung über die gesamte Nutzungsdauer gewährleisten.“

Matthias Rindt, Architekt und Fachbereichsleiter Gebäude & Baudenkmalpflege, Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz

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