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Friedenslazarett auf der Festung Königstein

Neue Decken für historische Räume

Hoch über dem Elbtal erhebt sich die Festung Königstein als eines der bedeutendsten Festungsensembles Sachsens. Auf dem rund 240 Meter über dem Ort Königstein gelegenen Felsplateau befindet sich das 1878 errichtete Friedenslazarett. Der zweigeschossige, klar proportionierte Bau mit verputzten Ziegelfassaden, Sandsteingewänden und flachem Walmdach diente ursprünglich der medizinischen Versorgung der Festungsbesatzung und der zivilen Bewohner.
 
Nach unterschiedlichen Nutzungen und ersten Erhaltungsmaßnahmen an der Gebäudehülle stand bei der erneuten Sanierung die innere Gebäudestruktur im Mittelpunkt. Die historischen Holzbalkendecken waren durch Schwammbefall so stark geschädigt, dass sie vollständig ersetzt werden mussten. Dabei galt es, die vorhandenen Raumproportionen zu bewahren und gleichzeitig die Anforderungen an Schall- und Brandschutz zu berücksichtigen. Mit dem Einbau keramischer Filigran-Ziegeldecken entstand eine konstruktive Lösung, die an die vorhandene Ziegelbauweise anknüpft und den historischen Bestand mit einer zeitgemäßen Nutzungsperspektive verbindet.

Projektdaten und Projektbeteiligte

Objekt: Friedenslazarett auf der Festung Königstein 
Ort: Königstein, Sachsen 
Gebäudetyp: Historischer zweigeschossiger Ziegelbau 
Baujahr: 1878 
Historischer Kontext: Ursprünglich medizinische Versorgung der Festungsbesatzung und der zivilen Bewohner, später unterschiedliche Nutzungen innerhalb der Festungsanlage 
Ausgangssituation: Durch Schwammbefall stark geschädigte Holzbalkendecken 
Bauherr: Freistaat Sachsen, vertreten durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) 
Planung: F29 Architekten GmbH, Christian Schmitz und Peter Zirkel 
Ausführung: Reko-Bau Löbau GmbH  
Fertigstellung: 2016 (Sanierungsabschnitt) 
Nutzung heute: derzeit ungenutzt

 
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© Wienerberger GmbH
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Ausgangslage und Herausforderung

Das Friedenslazarett befindet sich am südlichen Rand der Festungsanlage, in unmittelbarer Nähe der historischen Befestigungsmauern. Seine Lage oberhalb des Elbtals und die weiten Ausblicke über die Sächsische Schweiz verleihen dem Gebäude innerhalb des Ensembles eine besondere räumliche Qualität.

Bereits 2002 und 2003 waren umfangreiche Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt worden. Dazu gehörten die Erneuerung der Fassaden und Fenster, die Rekonstruktion des Daches, die Bekämpfung von Schwammbefall und die Trockenlegung des Mauerwerks. Auch der südliche Anbau wurde in dieser Phase neu errichtet.

Im Rahmen der späteren Innenarbeiten zeigte sich jedoch, dass die damals nicht erneuerten Holzbalkendecken durch Schwammbefall so stark geschädigt waren, dass ein vollständiger Ausbau erforderlich wurde.

Die Erneuerung der Geschossdecken stellte die Planer vor eine grundlegende konstruktive Entscheidung. Einerseits sollte die historische Gebäudestruktur möglichst weitgehend erhalten bleiben. Andererseits mussten die Decken den bauphysikalischen Anforderungen einer zeitgemäßen Nutzung entsprechen, insbesondere hinsichtlich Schall- und Brandschutz. 

Ein Ersatz durch neue Holzbalkendecken hätte aufwendige zusätzliche Konstruktionen zur Verbesserung des Schallschutzes erfordert. Diese hätten entweder innerhalb des Deckenaufbaus oder in der darüberliegenden Fußbodenkonstruktion zusätzliche Höhe beansprucht.

Gerade diese zusätzliche Aufbauhöhe war im Friedenslazarett problematisch. Der Keller verfügte stellenweise nur über eine Raumhöhe von etwa 1,80 Metern. Auch in den darüberliegenden Geschossen sollten die bestehenden Höhenbeziehungen erhalten bleiben, um Eingriffe an Türöffnungen und Fensterbrüstungen möglichst zu vermeiden.

Die Aufgabe bestand deshalb nicht allein darin, geschädigte Bauteile zu ersetzen. Gesucht wurde eine Deckenkonstruktion, die die technischen Anforderungen erfüllt, sich in die vorhandene Gebäudestruktur integrieren lässt und den historischen Raumeindruck möglichst wenig verändert.

Lösungsweg und Umsetzung

Historische Substanz und neue Nutzungsperspektive

Für das Friedenslazarett hatte das Architekturbüro F29 Architekten bereits 2011 ein Konzept zur Umnutzung entwickelt. Vorgesehen war eine Pension mit fünf hochwertig ausgestatteten Ferienwohnungen. Dabei sollten die bestehende Mittelgangerschließung und das historische Haupttreppenhaus erhalten bleiben.

Auch die unterschiedlichen Bau- und Zeitschichten des Gebäudes sollten im Inneren weiterhin ablesbar sein. Historische Wand- und Oberflächenbereiche waren deshalb nicht durchgehend zu verkleiden, sondern in das neue Nutzungskonzept einzubeziehen.

Für die ehemalige Veranda sah die Planung einen neuen Freibereich vor, dessen Gestaltung die frühere Gebäudekubatur aufgreifen sollte.

2015 wurde jedoch zunächst eine andere Nutzung beschlossen. Das Friedenslazarett sollte vorübergehend als Verwaltungsgebäude dienen, während an anderer Stelle innerhalb der Festung weitere Sanierungsarbeiten durchgeführt wurden. 

Die Innenarbeiten wurden deshalb in einem ersten Schritt auf die Anforderungen dieser Interimsnutzung ausgerichtet. Gleichzeitig berücksichtigte die Planung bereits den vorgesehenen späteren Ausbau zu Ferienwohnungen.

Die Sanierung musste somit eine kurzfristig nutzbare Gebäudestruktur schaffen, ohne die langfristige Nutzungsperspektive konstruktiv zu verbauen.

Materialgerechtes Weiterbauen im historischen Ziegelbau

Das Friedenslazarett wurde ursprünglich als massiver Mauerwerksbau aus Ziegeln mit Holzbalkendecken errichtet. Mit dem notwendigen Ersatz der geschädigten Decken stellte sich deshalb auch die Frage, wie sich eine neue Tragkonstruktion angemessen mit dem historischen Ziegelmauerwerk verbinden lässt.

Die Architekten entschieden sich für Filigran-Ziegeldecken von wienerberger. Diese Lösung ermöglichte eine vergleichsweise geringe Konstruktionshöhe und knüpfte zugleich in ihrer Materialität an die vorhandenen massiven Ziegelwände an.

Der Aufbau aus keramischen Einhängeziegeln, Deckenträgern und ergänzendem Aufbeton bot die Möglichkeit, die erforderliche Tragfähigkeit sowie die Anforderungen an Schall- und Brandschutz mit einer weitgehend unveränderten Raumgeometrie zu verbinden.

Entscheidend war die Höhe der Gesamtkonstruktion. Für die Decken kamen 18 Zentimeter hohe Einhängeziegel aus gebranntem Ton zum Einsatz, die mit einer sieben Zentimeter starken Auf- und Vergussbetonschicht ergänzt wurden. Daraus ergab sich eine Rohdeckenhöhe von insgesamt 25 Zentimetern. 

Mit dem zusätzlich vorgesehenen Fußbodenaufbau von rund zwölf Zentimetern wurden ähnliche Abmessungen wie bei den ursprünglichen Holzbalkendecken erreicht. Die vorhandenen Raumhöhen veränderten sich dadurch nur unwesentlich. Umfangreiche Anpassungen an Fenster- und Türanschlüssen konnten weitgehend vermieden werden.

Damit wurde die technische Erneuerung der Geschossdecken zu einem wesentlichen Bestandteil des denkmalgerechten Umgangs mit der vorhandenen Gebäudestruktur.

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© Wienerberger GmbH

Tragkonstruktion und konstruktive Details

Für die Decken über Keller und Erdgeschoss wurde die wienerberger Filigran-Ziegeldecke 18+7 eingesetzt.

Die Konstruktion besteht aus parallel angeordneten Deckenträgern, zwischen denen keramische Einhängeziegel verlegt werden. Im Friedenslazarett betrug der Achsabstand der Träger 64 Zentimeter. Anpassungen an unterschiedliche Raumbreiten konnten durch Ausgleichsziegel vorgenommen werden.

Besondere Anforderungen ergaben sich aus den vorhandenen Spannweiten. Die größte im Projekt ausgeführte Spannweite betrug 5,55 Meter. Bis zur Fertigstellung mussten die Deckenträger deshalb entsprechend den statischen Vorgaben unterstützt werden.

Ein wesentlicher Bestandteil der Konstruktion war die Ausbildung von Ringankern und Querrippen. Der Ringanker trägt zur Scheibenwirkung der Decke bei. Die Querrippen übernehmen Aufgaben der Querstabilisierung und Lastverteilung. 

Position und konstruktive Ausbildung wurden auf Grundlage der statischen Berechnung und eines darauf abgestimmten Verlegeplans festgelegt. Beide Unterlagen wurden durch wienerberger nach den Vorgaben der Architekten bereitgestellt.

Nach der Verlegung der Einhängeziegel entstand zunächst eine unmittelbar begehbare Montageebene. Anschließend konnten die erforderlichen Bewehrungen eingebracht und die Decken mit Auf- und Vergussbeton ergänzt werden.

Bereits etwa zwölf Stunden nach dem Verguss waren die Decken wieder begehbar. Nach rund 28 Tagen hatten sie ihre vorgesehene volle Tragfähigkeit erreicht, sodass die Montageunterstützungen entfernt werden konnten.

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Anspruchsvolle Montage innerhalb der Festungsanlage

Neben den konstruktiven Anforderungen stellte die exponierte Lage des Friedenslazaretts hohe Ansprüche an die Baustellenlogistik.

Sämtliche Materialien mussten zunächst von der unteren Baustelleneinrichtung auf die rund 240 Meter über dem Ort gelegene Festung transportiert werden. Dafür kam ein mobiler Kran zum Einsatz.

Eine zusätzliche Schwierigkeit ergab sich aus dem bereits geschlossenen Dach. Ein Einbringen der neuen Deckenelemente von oben war deshalb nicht möglich. Die Deckenträger und keramischen Einhängeziegel mussten durch die bestehenden Fensteröffnungen in das Gebäude transportiert werden.

Je nach Gewicht und Einbausituation erfolgte der Transport mit Hubgeräten oder von Hand. Die ausführende Reko-Bau Löbau GmbH musste die Montage deshalb auf die räumlichen Bedingungen des historischen Bauwerks abstimmen. 

Um die Träger leichter in die vorgesehenen Auflager einführen zu können, wurden die entsprechenden Bereiche im historischen Mauerwerk zunächst freigelegt und vorbereitet. Eine Mörtelschicht sowie unbesandete Bitumenpappe bildeten die Auflagerfläche.

Die gewählte Deckenkonstruktion ermöglichte damit eine schrittweise Montage innerhalb des bestehenden Bauwerks. Gerade die Kombination aus einzeln transportierbaren Bauteilen und einer frühzeitig begehbaren Montagefläche erwies sich unter den eingeschränkten Bedingungen als wesentlicher Vorteil.

Schall- und Brandschutz bei weitgehend erhaltenen Raumhöhen

Mit dem Ersatz der historischen Holzbalkendecken wurde nicht nur die konstruktive Funktionsfähigkeit der Geschosse wiederhergestellt. Gleichzeitig konnten die Anforderungen an Schall- und Brandschutz in die neue Deckenkonstruktion einbezogen werden.

Die bauphysikalischen Eigenschaften der Decke ergeben sich aus dem Zusammenwirken der tragenden Konstruktion und des jeweiligen Fußbodenaufbaus.

Für die langfristig geplante Nutzung als Ferienwohnungen wurde im Friedenslazarett bereits ein Dielenaufbau vorbereitet. Dieser berücksichtigte neben dem Trittschallschutz auch eine Höhenreserve für eine später mögliche Fußbodenheizung.

Die gewählte Konstruktion verband damit mehrere Anforderungen: die Erneuerung der geschädigten Geschossdecken, die weitgehende Erhaltung der historischen Raumhöhen und die Vorbereitung auf veränderte Nutzungsanforderungen. 

Vom geschädigten Bestand zum nutzbaren Interimsgebäude

Mit den Innenarbeiten wurde ein weiterer Sanierungsabschnitt des Friedenslazaretts abgeschlossen. Die geschädigten Holzbalkendecken wurden ersetzt und die vorhandene Gebäudestruktur für eine vorübergehende Verwaltungsnutzung hergerichtet.

Der Freistaat Sachsen bestätigte im Oktober 2016 den vorläufigen Abschluss der Baumaßnahmen. Die Räume standen damit zunächst für die Verwaltung der Festung Königstein zur Verfügung.

Der weitergehende Ausbau zu fünf Ferienwohnungen war zu diesem Zeitpunkt lediglich geplant. Eine spätere Umsetzung dieses Nutzungskonzeptes ist durch die vorliegenden Projektunterlagen nicht belegt. Die Festung Königstein beschreibt das Friedenslazarett auf ihrer aktuellen Website als leer stehend.

Für die Bewertung der damaligen Sanierungsmaßnahmen ist deshalb zwischen der tatsächlich realisierten baulichen Erneuerung und der vorgesehenen späteren Nutzung zu unterscheiden.

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Ergebnis und Erkenntnisse

Die Sanierung des Friedenslazaretts zeigt, wie sich geschädigte historische Bauteile durch neue Konstruktionen ersetzen lassen, ohne die charakteristischen Raumproportionen eines denkmalgeschützten Gebäudes wesentlich zu verändern.

Die Entscheidung für keramische Filigran-Ziegeldecken war eng mit den konkreten Anforderungen des Bestands verbunden. Die begrenzten Raumhöhen, die vorhandenen Fenster- und Türanschlüsse sowie die geforderten bauphysikalischen Eigenschaften bestimmten die Wahl des Deckensystems.

Gleichzeitig entstand eine materialgerechte Verbindung zwischen dem historischen Ziegelmauerwerk und den neuen Geschossdecken. Die keramische Konstruktion führt die Materialität des bestehenden Gebäudes in einer zeitgemäßen Bauweise fort, ohne die ursprüngliche Holzbalkenkonstruktion lediglich nachzubilden.

Auch die Montage verdeutlicht die besonderen Anforderungen beim Bauen im Bestand. Die begrenzten Transportwege innerhalb der Festung und das bereits geschlossene Dach machten eine Ausführung erforderlich, die sich an den vorhandenen Öffnungen und räumlichen Bedingungen orientierte. 

Die Erneuerung der Geschossdecken schuf damit eine wichtige konstruktive Grundlage für die weitere Nutzung und Entwicklung des historischen Gebäudes.

Das Projekt steht beispielhaft für einen differenzierten Umgang mit dem Bestand: Erhalten, was weiterhin funktionsfähig ist. Ersetzen, was konstruktiv nicht mehr erhalten werden kann. Neue Bauteile so integrieren, dass historische Raumstrukturen und architektonische Qualitäten möglichst bewahrt bleiben.

Keramische Lösungen im Projekt

Im Friedenslazarett kamen wienerberger Filigran-Ziegeldecken 18+7 über Keller und Erdgeschoss zum Einsatz. Das System verbindet keramische Einhängeziegel mit Deckenträgern sowie einer ergänzenden Auf- und Vergussbetonschicht.

Die 18 Zentimeter hohen Einhängeziegel und die sieben Zentimeter starke Betonschicht ergeben eine Rohdeckenhöhe von 25 Zentimetern. Ergänzt wurde die Konstruktion durch Ringanker, Querrippen und einen auf die Anforderungen der späteren Nutzung abgestimmten Fußbodenaufbau.

Wesentliche Vorteile für das Projekt waren die vergleichsweise geringe Konstruktionshöhe, die Anpassungsfähigkeit an die vorhandenen Raumgeometrien und die Möglichkeit, die Einzelbauteile durch die bestehenden Fensteröffnungen einzubringen.

Die keramische Deckenkonstruktion knüpft an das historische Ziegelmauerwerk an und verbindet die notwendige Erneuerung der Tragstruktur mit den Anforderungen an Schall- und Brandschutz. 

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