Adolfstraße Hannover | Wohnungsbau im bestehenden Stadtraum

Städte sind nicht nur Ansammlungen von Gebäuden, sondern auch soziale Ökosysteme, in denen Menschen leben, arbeiten, interagieren und träumen. Ein angemessenes städtebauliches Konzept geht über die bloße Gestaltung von Gebäuden hinaus; es berücksichtigt vielfältige Aspekte, um lebendige und inklusive Gemeinschaften zu schaffen. So ist es Stefan Forster Architekten mit dem Projekt Adolfstraße 1 in Hannover gelungen, die bestehenden Strukturen der direkten städtischen Umgebung aufzunehmen und daraus insgesamt 135 geförderte, genossenschaftliche und frei finanzierte Wohnungen sowie eine Kita zu schaffen.

Handlungsbedarf in der Stadtentwicklung

Auch in der Stadt Hannover hat sich das Knappwerden von Wohnraum zu einer akuten und weitreichenden Herausforderung entwickelt. Die steigende Bevölkerungszahl, die Urbanisierung und die wachsende Attraktivität städtischer Lebensstile haben vielerorts die Nachfrage nach Wohnraum erhöht und gleichzeitig die Verfügbarkeit eingeschränkt. Umso wichtiger ist die Nutzung bestehender Flächen innerhalb der Stadt und die Entwicklung von neuem, bezahlbarem Wohnraum.

So wurde auch für den 6.000m² großen Parkplatz der zentrumsnahen Calenberger Neustadt in Hannover ein zweites Leben entschieden. Das Architekturbüro rund um Stefan Forster konnte mit seinem Entwurf den damals ausgelobten Wettbewerb für sich entscheiden und wurde dafür mit dem 1. Platz ausgezeichnet.

 

Eine klare Kante im Städtebau.

Besonders bei der städtebaulichen Weiterentwicklung spielen die unmittelbare Umgebung und der Kontext des zu bebauenden Grundstücks eine maßgebende Rolle. Eine klare Kante im Städtebau zeigt sich in der Orientierung an der umliegenden gründerzeitlichen Bebauung. Stefan Forster greift die lokale Klinkerästhetik auf und definiert die Stadtkante neu, wodurch die unterschiedlichen städtebaulichen Strukturen wieder lesbar werden.

„Auf der städtebaulichen Ebene wollen wir die Stadt weiterbauen. Dafür nehmen wir die Strukturen aus dem Kontext auf und interpretieren sie neu. Natürlich ist die von uns gewählte Architektursprache auch immer ein Thema, hierbei versuchen wir ebenfalls auf den Kontext zu reagieren. Wir greifen hierbei auf vorhandenes zurück, indem wir ganz bewusst vertraute Bilder benutzen.“ - Stefan Forster, Architekt

 

Blockbebauung ist nicht gleich Blockbebauung.

„Wir haben zunächst die Blockstruktur des Umfeldes aufgenommen. Diese reagiert auf die unterschiedlichen Nachbarschaften im Umfeld: Auf die gegenüberliegende Scheibenarchitektur der Regierungsbauten aus den 50er-Jahren, antworten wir mit einer hohen Scheibe. Auf die kleinteilige Bebauung, ebenfalls aus den 50er Jahren, in der Seitenstraße, reagieren wir mit der Auflösung des Blockrandes in einzelne Gebäude, welche wieder mit Loggien verbunden sind. Die verschiedenen Elemente werden durch den gemeinsamen Hof und die einheitliche Klinkerfassade zusammengehalten.” - Stefan Forster

Hinter der homogenen Fassade und dem durchgängigen Material verbergen sich verschiedenen Nutzergruppen. Neben gefördertem Wohnungsbau, Mietwohnungen, genossenschaftlichem Wohnen und Eigentumswohnungen befindet sich außerdem ein Kindergarten. 

„Somit gruppiert sich die gesamte Bandbreite des Wohnens um den Hof herum, alles in der gleichen Architektursprache.” -Stefan Forster

Materialauswahl harmonisch abgestimmt.

Bei der Umsetzung des Projekts waren beständige und qualitativ hochwertige Materialien entscheidend für die Realisierung der Vision von Stefan Forster Architekten. Der von Forster gewählte Wasserstrichziegel Olina bestimmt maßgeblich die Fassadengestaltung des Gebäudes. Dieser rot nuancierte Vormauerziegel zeichnet sich durch seine vielfältigen Farbtöne, einzigartigen Schattierungen und vielfältigen Farbkombinationen aus, welche die Diversität der Natur widerspiegeln und lebendige Fassaden erschaffen.

Die Außenwände wurden mit dem Poroton-S10-MW ausgeführt. Der Hintermauerziegel vereint Tragfähigkeit sowie Anforderungen an Wärme-, Schall- und Brandschutz in einem Bauteil und eignet sich für den mehrgeschossigen Wohnungsbau. Auf den geneigten Dachflächen kam der Dachziegel Koramic Alegra 9 in Naturrot zum Einsatz. Die Materialauswahl sorgt für eine abgestimmte Gestaltung von Fassade und Dach.

Die Kombination dieser Materialien reflektiert die Philosophie des Projekts Adolfstraße 1 in Hannover, indem sie sowohl ästhetische als auch funktionale Aspekte vereint und so zur Schaffung einer lebenswerten und optisch ansprechenden städtischen Umgebung beiträgt. 

 

8 Fragen an Architekt Stefan Forster

Was inspiriert Ihre Architektur?
 Ich glaube, es ist Einbildung zu glauben, dass man als Architekt etwas völlig Neues erfinden könnte. Diese Haltung ist überheblich gegenüber den Generationen von Architekten vor uns, die sehr gewissenhaft Architektur entwickelt haben. Es ist unsere Aufgabe, deren Arbeit zu studieren und darauf aufzubauen.

Wie verbinden Sie neue Gebäude mit der Geschichte einer Stadt?
Unser Ansatz besteht darin, bestehende städtebauliche Strukturen aufzugreifen und diese in unsere Entwürfe zu integrieren. Wir reagieren mittels der Architektursprache der Gebäude auf den Kontext und nutzen ganz bewusst vertraute Bilder. Diese bekannten Bilder erzeugen bei den Menschen Vertrauen und Vertrautheit mit unserer Architektur.

Auf was muss man bei Projekten im städtischen Kontext besonders achten? 
Das Thema unserer Arbeit ist eigentlich immer der städtische Block, das Kernelement unserer europäischen Stadt. Er definiert präzise den Übergang vom öffentlichen zum privaten Raum. Stadt funktioniert nur durch die eindeutige Definition von Grenzen.

Wofür steht das Projekt „Adolfstraße 1“?  
Das Projekt zielt darauf ab, ein Modell für dichte, aber qualitativ hochwertige städtische Wohnräume zu sein. Es soll zeigen, wie man durch intelligente Planung und Gestaltung eine hohe Lebensqualität auch in dicht bebauten Gebieten erreichen kann.

Welche sozialen Aspekte spielen bei diesem Projekt eine große Rolle?
„Adolfstraße 1“ repräsentiert ein modernes Konzept der städtischen Integration. Es verbindet unterschiedliche Wohnformen – von gefördertem Wohnungsbau bis zu Eigentumswohnungen. Man wohnt um einen kollektiven, zentralen Hof herum - ein Ort, wo sich Gemeinschaft bildet, wo man sich kennenlernt, wo man ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln kann. Es liegt in unserer Verantwortung einen solchen Raum zu schaffen, in dem sich Nachbarschaft bilden kann.

Warum wählen Sie in Ihren Projekten oft Tonbaustoffe wie Klinker oder Hochlochziegel?
Tonbaustoffe bieten vielfältige gestalterische Möglichkeiten und werden aufgrund ihrer Materialeigenschaften in unterschiedlichen Gebäudetypen eingesetzt. Darüber hinaus ermöglichen sie dauerhafte Fassaden- und Wandkonstruktionen.

Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit im Bauwesen?
Für uns bedeutet nachhaltiges Bauen, Gebäude mit einer angemessenen Material- und Konstruktionswahl zu planen, auf eine langfristige Nutzung auszurichten und die Komplexität der Gebäudetechnik dort zu reduzieren, wo es sinnvoll ist.

Welche Ratschläge würden Sie anderen Architekturschaffenden geben?
Architektur erfordert Leidenschaft, Durchhaltevermögen und Standhaftigkeit. Man sollte einen klaren Standpunkt haben und diesen vertreten. „Man muss dafür brennen“, wie es so schön heißt. Was man aber von außen nur schwer wahrnimmt: die Qualität unserer Arbeit ist extrem von der Qualität des Bauherrn abhängig, oder um es mit Mendelsohn zu sagen: „Als Architekt ist man auf der lebenslangen Suche nach dem richtigen Bauherrn“.

„Wir haben lange gesucht, um ein Produkt zu finden, das allen Ansprüchen gerecht wird. Ein einheitlicher Putzgrund mit minimierter Rissgefahr war uns wichtig. Der Hersteller der Ziegel hat viele standardisierte Systemkomponenten für Verkleidungen von Stürzen, Decken und Stützen im Programm, so dass wir ohne kostenintensive Sonderanfertigungen arbeiten konnten“ , so Projektarchitekt Vojtech Bast, harris + kurrle architekten bda, Stuttgart. 

Geschäftsführer BE Baumschlager Eberle Berlin, Jaeger, Portraitfoto, Objekt Unionhilfswerk Berlin
© Stefanie Aumiller

„Wir haben lange gesucht, um ein Produkt zu finden, das allen Ansprüchen gerecht wird. Ein einheitlicher Putzgrund mit minimierter Rissgefahr war uns wichtig. Der Hersteller der Ziegel hat viele standardisierte Systemkomponenten für Verkleidungen von Stürzen, Decken und Stützen im Programm, so dass wir ohne kostenintensive Sonderanfertigungen arbeiten konnten“ , so Projektarchitekt Vojtech Bast, harris + kurrle architekten bda, Stuttgart. 

Zahlen und Fakten

  • Nutzung: Wohnen mit Kindertagesstätte
  • Standort: Adolfstraße, Mittelstraße, Molthanstraße, Kommandanturstraße, 30169 Hannover, Calenberger Neustadt
  • Architekten: Stefan Forster Architekten, Frankfurt
  • Bauherrschaft: Projekt Adolfstr. GmbH & Co. KG, Herr Dipl.-Ing. Dannenberg
  • Konzept: Gebäudekonzept nach Prof. Timo Leukefeld mit reduzierter Gebäudetechnik
  • Fertigstellung: 2022
  • Energiestandard: KfW-55
  • BGF: 16.772 m²
  • Produkte: Poroton Poroton-S10-MW als Hintermauerziegel, Terca Wasserstrichziegel Olina, DF als Vormauerziegel und Alegra 9, naturrot

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