8 Fragen an Architekt Stefan Forster
Was inspiriert Ihre Architektur?
Ich glaube, es ist Einbildung zu glauben, dass man als Architekt etwas völlig Neues erfinden könnte. Diese Haltung ist überheblich gegenüber den Generationen von Architekten vor uns, die sehr gewissenhaft Architektur entwickelt haben. Es ist unsere Aufgabe, deren Arbeit zu studieren und darauf aufzubauen.
Wie verbinden Sie neue Gebäude mit der Geschichte einer Stadt?
Unser Ansatz besteht darin, bestehende städtebauliche Strukturen aufzugreifen und diese in unsere Entwürfe zu integrieren. Wir reagieren mittels der Architektursprache der Gebäude auf den Kontext und nutzen ganz bewusst vertraute Bilder. Diese bekannten Bilder erzeugen bei den Menschen Vertrauen und Vertrautheit mit unserer Architektur.
Auf was muss man bei Projekten im städtischen Kontext besonders achten?
Das Thema unserer Arbeit ist eigentlich immer der städtische Block, das Kernelement unserer europäischen Stadt. Er definiert präzise den Übergang vom öffentlichen zum privaten Raum. Stadt funktioniert nur durch die eindeutige Definition von Grenzen.
Wofür steht das Projekt „Adolfstraße 1“?
Das Projekt zielt darauf ab, ein Modell für dichte, aber qualitativ hochwertige städtische Wohnräume zu sein. Es soll zeigen, wie man durch intelligente Planung und Gestaltung eine hohe Lebensqualität auch in dicht bebauten Gebieten erreichen kann.
Welche sozialen Aspekte spielen bei diesem Projekt eine große Rolle?
„Adolfstraße 1“ repräsentiert ein modernes Konzept der städtischen Integration. Es verbindet unterschiedliche Wohnformen – von gefördertem Wohnungsbau bis zu Eigentumswohnungen. Man wohnt um einen kollektiven, zentralen Hof herum - ein Ort, wo sich Gemeinschaft bildet, wo man sich kennenlernt, wo man ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln kann. Es liegt in unserer Verantwortung einen solchen Raum zu schaffen, in dem sich Nachbarschaft bilden kann.
Warum wählen Sie in Ihren Projekten oft Tonbaustoffe wie Klinker oder Hochlochziegel?
Tonbaustoffe bieten vielfältige gestalterische Möglichkeiten und werden aufgrund ihrer Materialeigenschaften in unterschiedlichen Gebäudetypen eingesetzt. Darüber hinaus ermöglichen sie dauerhafte Fassaden- und Wandkonstruktionen.
Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit im Bauwesen?
Für uns bedeutet nachhaltiges Bauen, Gebäude mit einer angemessenen Material- und Konstruktionswahl zu planen, auf eine langfristige Nutzung auszurichten und die Komplexität der Gebäudetechnik dort zu reduzieren, wo es sinnvoll ist.
Welche Ratschläge würden Sie anderen Architekturschaffenden geben?
Architektur erfordert Leidenschaft, Durchhaltevermögen und Standhaftigkeit. Man sollte einen klaren Standpunkt haben und diesen vertreten. „Man muss dafür brennen“, wie es so schön heißt. Was man aber von außen nur schwer wahrnimmt: die Qualität unserer Arbeit ist extrem von der Qualität des Bauherrn abhängig, oder um es mit Mendelsohn zu sagen: „Als Architekt ist man auf der lebenslangen Suche nach dem richtigen Bauherrn“.